Wie wirkt der Mietendeckel? Eine Analyse von ImmoScout24 zeigt die Entwicklung des Berliner Wohnungsmarktes seit Einführung des Landesgesetzes.
11.03.2021 Ausgabe: 1/21

Seit dem 23. November 2020 ist die zweite Stufe des Berliner Mietendeckels in Kraft. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte zuvor den Eilantrag von Vermietern gegen das seit 23. Februar 2020 gültige neue Landesgesetz zurückgewiesen. Nun sind die Mieten für rund eineinhalb Millionen Berliner Wohnungen auf dem Stand von Juni 2019 eingefroren – mit welchen Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt? ImmoScout24 hat Angebot, Nachfrage und Preise auf dem Berliner Wohnungsmarkt analysiert und zusammengefasst, was dort von Oktober 2019 bis Oktober 2020 passiert ist.

Kaum Entlastung, dafür ­kontinuierlich sinkendes Angebot
Innerhalb eines Jahres – von Oktober 2019 bis Oktober 2020 – sanken die Angebotsmieten für vom Mietendeckel betroffene Wohnungen um 1,4 Prozent, von durchschnittlich 12,82 Euro pro Quadratmeter auf 12,64 Euro. In den Monaten Juli bis September zeigte sich ein noch deutlicherer Rückgang um bis zu fünf Prozent. Der Mietendeckel zeigt Wirkung.

Eine parallele Entwicklung zeigt sich anhand einer eingehenden Datenanalyse. Das Gesamtangebot an Mietwohnungen auf ImmoScout24 verringerte sich innerhalb des Betrachtungszeitraums um 37 Prozent. Dieser Effekt wurde fast vollständig durch Bestandsmietwohnungen hervorgerufen, die vor 2014 fertiggestellt wurden und demnach vom Mietendeckel betroffen sind. In diesem Segment sank das Angebot im selben Zeitraum um 58,9 Prozent. Neubauwohnungen, die nicht vom Mietendeckel betroffen sind (Fertigstellung nach 2014), wurden auf ImmoScout24 hingegen mit einem Plus von neun Prozent verstärkt angeboten.

Konträre Entwicklung beim ­Wohnimmobilien-Angebot in ­anderen Großstädten
Dass diese Entwicklung keine Begleiterscheinung der Corona-Pandemie oder anderer Einflussfaktoren ist, zeigt ein Blick auf die anderen Top-6-Metropolen in Deutschland. In Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Köln, München und Stuttgart nahm das Angebot von Wohnimmobilien auf ImmoScout24 im gleichen Zeitraum deutlich zu, das Gesamtangebot an Mietwohnungen stieg um 50,6 Prozent. Auch das Angebot an Mietwohnungen, die vor 2014 fertiggestellt wurden, stieg in diesen Städten um 45,4 Prozent.

Weniger Angebot stößt auf ­anhaltend hohe Nachfrage
Angesichts des gesunkenen Angebots von Mietwohnungen in Berlin explodierte seit Februar 2020 die Zahl der Kontaktanfragen pro Inserat für Wohnungen mit Fertigstellung vor 2014 um einen dreistelligen Prozentwert. Im September 2020 lag er bei 172 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Demnach stieg der Nachfragedruck für die vorhandenen Mietangebote enorm. Immobiliensuchende haben es also schwerer denn je, in Berlin eine Mietwohnung zu finden.

Angebot und Preise für Eigentumswohnungen steigen weiter
Im gleichen Zeitraum nahm das Gesamtangebot an Eigentumswohnungen in Berlin auf ImmoScout24 um 14,5 Prozent zu – für nach 2014 fertiggestellte sogar um 21,2 Prozent. Der zeitgleiche deutliche Angebotsrückgang bei Mietwohnungen legt die Vermutung nahe, dass Eigentümer Wohnungen verstärkt zum Verkauf anbieten, anstatt weiterhin selbst zu vermieten. In der Konsequenz scheint der Mietendeckel dem Berliner Wohnungsmarkt demnach in großem Umfang Mietwohnungen zu entziehen.

Weitere Informationen:
https://s.is24.de/mietendeckel


Foto: © Patino / Shutterstock.com


Schlagworte:
Wohnungsmarkt,Wirkung,Entwicklung

zurück zur Übersicht