Was die digitale ­Verwaltung vereinfacht - Die erste neu entwickelte Schnittstelle der AG Digitalisierung geht in den Live-Betrieb.
28.10.2021 Ausgabe: 7/21

Digitale Lösungen bieten Immobilienverwaltungen zahlreiche Vorteile: seien es schnellere Bearbeitungszeiten, die papierlose Dokumentation aller wesentlichen Vorgänge und der Kommunikation oder die ortsunabhängige Verwaltung der Immobilienbestände. Doch wo Licht ist, ist bisweilen auch Schatten.  Die Achillesferse digitaler Verwaltungslösungen ist die noch mangelnde Verknüpfbarkeit unterschiedlicher Software-Lösungen. Dieser Problematik hat sich die AG Digitalisierung des VDIV Deutschland angenommen.

Der Markt der digitalen Immobilienverwaltung ist unübersichtlich geworden: Eine Vielzahl unterschiedlicher Software- und PropTech-Unternehmen bietet verschiedenste technische Lösungen für mannigfaltige Einsatzgebiete. Die Technologien sind komplex, das Angebot ist kaum zu überblicken, und die Entscheidung für einen Software-Entwickler führt nicht selten dazu, dass bestimmte Lösungen anderer Anbieter schwer in das bestehende System integriert werden können.

Einheitliche Standards technisch unmöglich
Um dies zu ändern, hat der Münchner Softwarespezialist DOMUS gemeinsam mit dem VDIV Deutschland und anderen beteiligten Branchenvertretern im Jahr 2017 die AG Digitalisierung ins Leben gerufen. Heute gehören der Arbeitsgemeinschaft neben Herstellern von ERP-Systemen und Dienstleistungsunternehmen der Verwaltungsbranche auch Start-ups im Immobilienbereich an. 

Deren ursprüngliches Ziel war es, eine gemeinsame Datenaustausch-Plattform für ERP-Systeme und Dienstleister zur Standardisierung des Datenabgleichs zu schaffen. Unabhängig von ihrer bestehenden Konkurrenzsituation bekundeten alle Mitglieder den Willen zur Etablierung eines einheitlichen Branchenstandards. In diesem Rahmen konnte bereits vor zwei Jahren eine technische Machbarkeitsstudie finanziert werden, die Ende 2019 zu dem Ergebnis kam, dass sich das ursprünglich gesteckte große Ziel, einen einheitlichen standardisierten Datenabgleich unterschiedlicher Systeme zu etablieren, nicht erreichen ließ. Die technischen Hürden zwischen den verschiedenen Systemen waren schlichtweg zu hoch.

Gemeinsame Schnittstellen bis Ende des Jahres
Dennoch hat die AG Digitalisierung ihr Ziel nicht aus den Augen verloren. Nachdem sich die ursprüngliche Vision eines standardisierten Datenabgleichs nicht realisieren ließ, wurde der Fokus auf individuelle Schnittstellen der verschiedenen ERP-Anbieter gelegt. Diese sollen es ermöglichen, relevante Stammdaten von einem System in ein anderes zu übertragen. Das fest gesetzte Ziel aller AG-Mitglieder war es, ihre Lösungen bis spätestens Ende des Jahres entwickelt zu haben und so einen systematischen Stammdatenaustausch zwischen den verschiedenen Systemen möglich zu machen.

Nun hat Gründungsmitglied DOMUS als erstes der Arbeitsgemeinschaft seine in Kooperation mit dem Energieversorger inteligy entwickelte Schnittstelle bei einem ersten Testkunden in den Live-Betrieb geschaltet. Weitere Partner der AG Digitalisierung befinden sich mit ihren Schnittstellen bereits im Testbetrieb. Dabei ermöglichen die entwickelten Schnittstellen­lösungen die Datenübertragung zwischen unterschiedlichen Software-Lösungen in Echtzeit.

Derzeit befinden sich die Mitglieder der AG Digitalisierung neben der technischen Weiterentwicklung ihrer Produkte in der Ausgestaltung der rechtlichen Grundlagen. Hierfür werden individuelle Verträge gestaltet, um die Zusammenarbeit zwischen den ERP-Anbietern und den Schnittstellennutzern auf ein rechtlich solides Fundament zu stellen. Die juristischen Weichen für einen flächendeckenden Einsatz der entwickelten Schnittstellen sollen bis Ende des Jahres gestellt sein. 

Keine Mehrkosten für Verwaltungen
Ein wesentliches Kriterium der angestrebten Kompatibilität der unterschiedlichen Software-Lösungen ist die grundsätzliche Kostenneutralität für Endkunden. Bisher erhobene Schnittstellengebühren im Rahmen individueller Vertragsvereinbarungen bleiben dadurch unverändert. 

Mit ihren Bemühungen investieren die Teilnehmer der AG Digitalisierung bewusst in die Zukunft der Verwalterbranche. Dabei finanzieren sie die Analyse der Potenziale für eine mögliche Datenübertragung, die entsprechenden Weichenstellungen innerhalb ihrer Software-Lösungen sowie die Entwicklung technischer Schnittstellen ebenso aus eigener Kraft wie den hierfür erforderlichen personellen Aufwand. Damit soll es Verwaltern zum einen leichter gemacht werden, die für ihr Unternehmen idealen Software-Lösungen zu nutzen. Zum anderen soll damit gezielt die Digitalisierung der Verwalterbranche vorangetrieben werden. 

Verstärkung für die AG Digitalisierung
Mit Pantenius und Brunata haben sich der AG Digitalisierung in jüngster Zeit zwei weitere namhafte Mitglieder angeschlossen. Die zielorientierte Zusammenarbeit der großen Anbieter in den Reihen der AG Digitalisierung kennt nur Gewinner. Weiterer Zulauf ist daher selbstverständlich erwünscht und willkommen.


Foto: © ra2studio / Shutterstock.com


Schlagworte:
Videokonferenz,digital,hybrid

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