Trotz Mehrkosten: CO2-Reduktion ist in Eigentümergemeinschaften nur selten ein Thema.
17.08.2021 Ausgabe: 5/21

Der Einbau moderner, klimafreundlicher Heizungssysteme kann sich in den kommenden Jahren äußerst bezahlt machen: Mit der Einführung des CO2-Preises auf fossile Brennstoffe kommen auf Mieter und Eigentümer ab diesem Jahr signifikante Mehrkosten fürs Heizen zu. Die Tragweite dessen ist bei vielen Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) bislang aber noch nicht angekommen. Immobilienverwaltungen dagegen wollen in ihren Beständen verstärkt auf die Reduktion von CO2-Emissionen hinwirken. Das ergab eine Kurzumfrage des VDIV Deutschland im Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai.

Gesetzliche Neuerungen
Im Herbst 2019 wurde das Klimaschutzgesetz verabschiedet, damit auch die Erhebung der CO2-Abgabe, mit der sich die Wärmeerzeugung seit Anfang 2021 in vielen Fällen erheblich verteuert: Für fossile Brennstoffe sind seitdem zusätzlich 25 Euro pro Tonne CO2-Emission zu zahlen. Bis 2025 wird dieser Preis schrittweise auf 55 Euro pro Tonne angehoben, was sich für viele WEG zu Mehrkosten von mehreren Tausend Euro pro Jahr summieren kann.

Günstig wirkt sich vor diesem Hintergrund aus, dass mit der Reform des Wohnungseigentumsrechts 2020 die Hürden zur Beschlussfassung von Sanierungsmaßnahmen erheblich gesenkt wurden. Konnten einzelne Eigentümer sie zuvor noch blockieren, genügt nun schon die einfache Mehrheit, um beispielsweise den Einbau eines modernen Heizungssystems zu beschließen.

Kaum langfristige ­Sanierungsstrategien
Welche Rolle die Umsetzung konkreter Maßnahmen zur CO2-Reduzierung spielt, ist nach Einschätzung der befragten Immobilienverwaltungen vielen WEG bislang nicht bewusst: 48 Prozent gaben an, das Thema sei in ihren WEG „weniger relevant“, 26 Prozent sogar „nicht relevant“. Entsprechend rar sind auch langfristige Sanierungsstrategien: Bei 54 Prozent der Verwaltungen verfolgen Eigentümergemeinschaften keinerlei Strategie zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Nach Ansicht weiterer 35 Prozent plant maximal ein Zehntel der Gemeinschaften langfristig eigene Sanierungsmaßnahmen.

Die Verwaltungen sind gefordert
Das Ergebnis zeigt einmal mehr, dass die nachhaltige Klimawende im Gebäudebereich guter, professioneller Immobilienverwaltungen bedarf. Sie moderieren die meist langen Entscheidungsprozesse, stellen den Kontakt zu Energieberatern, Handwerkern und Contractoren her und unterstützen bei der Erstellung eines langfristigen Sanierungsfahrplans. Dieser Verantwortung sind sich die Verwaltungen bewusst: Zwei Drittel der befragten Unternehmen planen, künftig in betreuten Liegenschaften stärker auf die Reduzierung von CO2-Emissionen hinzuwirken. Bei mittleren und größeren Verwaltungen mit Beständen von 1.000 Einheiten liegt dieser Wert sogar bei über 70 Prozent. Zudem erwartet eine knappe Mehrheit von 53 Prozent der Befragten, dass sich bereits 2022 die Absenkung der Beschlusshürden im Zuge des neuen Wohnungseigentumsrechts niederschlagen und die Modernisierung der Wärmeversorgung vereinfachen wird.

Anreize im Fördersystem schaffen
Insbesondere vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl gilt es nun, nach der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes auch die Fördersystematik im Bereich energetischer Sanierungen zukunftsgerecht auszugestalten. Dazu muss vor allem endlich die wichtige Rolle von Verwaltungen bei der Initiierung und Begleitung von Sanierungsmaßnahmen gewürdigt und durch spezifische Förderanreize abgebildet werden. Der VDIV Deutschland hat dazu ein 20 Punkte umfassendes Positionspapier mit Vorschlägen vorgelegt. Jetzt ist es an der Bundespolitik, den Ball aufzunehmen und nötige Anreize für eine erfolgreiche und nachhaltige Klimawende im Gebäudebereich zu schaffen.

Foto: © NicoElNino / Shutterstock.com


Schlagworte:
CO2-Preis,Klimaschutzgesetz,Sanierungsstrategien

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