Stimmiges Gesamtkonzept - Bauweise, Gebäudetechnik und Ausstattung sorgen beim Neubau eines Mehrfamilienhauses für eine durchweg positive Bilanz.
15.10.2019 Ausgabe: 5/19

Nordhorn liegt im Emsland, nahe der niederländischen Grenze. Hier wurde im Sommer 2018 ein dreigeschossiges Wohnhaus mit acht Wohneinheiten fertiggestellt. Das Besondere daran: Die H2T Baugesellschaft setzte mit dem Objekt ein umweltfreundliches Gesamtkonzept um, das mit KfW-55-Standard die Klimaziele der Bundesregierung unterstützt. Für die positive Energiebilanz sorgen unter anderem eine Wärmepumpe und ein Spitzenlastkessel.

Für einen möglichst geringen Energieeinsatz sorgt die dreischalige Bauweise. Sie besteht aus 17,5 cm Kalksandsteinen, einer mineralischen Dämmschicht von 180 mm und dem Klinkerstein, der dem Gebäude seinen typisch nordischen Charakter verleiht. Mit diesem Aufbau war der erste Schritt zum KfW-55-Standard gemacht. Nicht nur energetisch, sondern auch in Bezug auf die Ausstattung legte der Investor Wert auf Zukunftsfähigkeit: Obwohl das Gebäude nur drei Stockwerke hat, gibt es einen Aufzug, um die durchgängige Barrierefreiheit der Eigentumswohnungen zu gewährleisten. Hiermit setzt der Bauherr ein klares Zeichen und berücksichtigt den demographischen Wandel. Überdies befindet sich unter dem Haus eine Tiefgarage mit zehn Stellplätzen, um die Transportwege einfacher zu gestalten sowie die Parkplatzsituation im Viertel zu entlasten.

Effiziente Heizungstechnik

Um den KfW-Standard zu erreichen, setzte das Ingenieurbüro Hans Kappen für die Wärmeerzeugung auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe von Brötje. Damit wurde der dem Bauwerk zugrunde liegende Umweltgedanke fortgeführt. Zum Einsatz kam eine BLW 18 NEO. Das bodenstehende Gerät ist modulierend und versorgt das Gebäude permanent mit der passenden Heizleistung. Dabei liegt der Versorgungsbereich der Anlage zwischen ca. 5,1 bis 19,2 kW. Ein großzügig dimensionierter Verdampfer mit intelligenten Abtaufunktionen sorgt für einen vereisungssicheren Betrieb im Winter. Die Einsatzgrenze liegt zwischen - 25 und + 45 °C, womit der Wärmeerzeuger auch für die örtlichen Bedingungen gerüstet ist. Möglich macht‘s ein bislang einzigartiges System mit zwei im Verbund arbeitenden Wärmetauschern, das aus dem Kältekreislauf je nach Modulation drei bis fünf Prozent zusätzliche Energie gewinnt und so herausragende Leistungszahlen realisiert:  Der COP-Wert, der die Effizienz der Wärmepumpe angibt, liegt über 4,2 bei A2/W35, also 2 °C Außenluft und 35 °C Vorlauftemperatur für die Raumheizung.

Ausgeklügelte Hydraulik
Die hydraulische Anbindung der Wärmepumpe in das System erleichterte während der Installation eine Hydrobox von Brötje, in die diverse Fühler und die Heizkreispumpen bereits integriert sind. Nachgeschaltet sorgt ein Umschaltventil für die bedarfsgerechte Verteilung des Heizungswassers in die installierten Pufferspeicher mit 500 bzw. 850 Liter Volumen. Zudem wurde eine Brötje Powerbox installiert, die alle elektrischen Komponenten zusammenführt und die die leistungsgerechte Regelung des Verdichters sowie die leistungsabhängige Ansteuerung der Umwälzpumpen übernimmt. Um die Spitzenlast und die komplette Warmwasserproduktion abzudecken, wurde neben der Wärmepumpe eine Gas-Brennwertanlage des Typs WGB 50 H in das System integriert. Das kompakte wandhängende Gerät bietet eine frei modulierbare Heizleistung zwischen zwölf und 50 kW und belädt ebenfalls beide Speicher. Allerdings liegt die über Fühler gesteuerte Priorität auf der teilweisen Beladung des 850-Liter-Pufferspeichers. Die Wärmepumpe BLW 18 NEO bevorratet den Speicher bis zu einer Temperatur von ca. 54 °C. Nur das restliche Niveau bis 75 °C übernimmt das Gas-Brennwertgerät. Hintergrund ist die an den Speicher angeschlossene Vierleiter-Wohnungsstation, die u. a. für die Warmwasserproduktion zuständig ist. Mit dieser Lösung wird kein warmes Trinkwasser bevorratet, sondern nur bei Bedarf die nötige Menge im Durchlaufprinzip produziert. Somit konnten die Anforderungen der Trinkwasserverordnung und des DVGW-Arbeitsblattes W 551 für das Objekt erfüllt werden. Einem Legionellenbefall durch Stagnation ist somit entgegengewirkt.

Die verbleibenden zwei Stränge sind mit dem kleineren 500-Liter-Pufferspeicher verbunden. Dieser wird hauptsächlich von der Wärmepumpe gespeist und versorgt die im Gebäude verlegte Fußbodenheizung. Die Beladung ist witterungsgeführt, was gewährleistet, dass das Gas-Brennwertgerät nur für die Warmwasserbereitung und im äußersten Notfall aktiv wird. Die Einsparungen durch solch eine Regelung sind über den Lebenszyklus der Anlage nicht zu unterschätzen.

Heute sind alle am Bauvorhaben Beteiligten von dem Ergebnis überzeugt. Allen voran hat der Investor mit dem Gesamtkonzept seine planerischen Ziele erreicht. Zudem konnten die Unterhaltskosten für die Eigentümer der Wohneinheiten minimiert werden.


1. Vorbildliches Bauprojekt: Das Achtfamilienhaus entspricht dem KfW-Effizienzstandard 55.
2. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe arbeitet unter der Geräuschwahrnehmungsgrenze der Bewohner.
3. Das Gas-Brennwertgerät dient lediglich für die Abdeckung der Spitzenlasten und für die wirtschaftliche Erhöhung der Warmwassertemperatur.

Foto: © Sirichai Puangsuwan / Shutterstock.com


Schlagworte:
Heizungstechnik,Energiebilanz,Barrierefreiheit

zurück zur Übersicht