Services aus der Cloud : Wenn sich Aufzüge mit dem Gebäude vernetzen – keine Utopie mehr
20.05.2020 Ausgabe: vdiv DIGITAL 2020

Die Bau- und Immobilienbranche zielt auf intelligente Wohn- und Geschäftsgebäude, die durch Vernetzung und autonome Steuerung einen Mehrwert bieten: für Eigentümer und Mieter durch mehr Komfort und Sicherheit, aber auch für Immobilienverwalter, die dabei auf die Kosteneffizienz achten (müssen).

Einer der nennenswerten Akteure bei dieser Entwicklung ist KONE. Das Unternehmen wandelt sich vom Hersteller mit Anlagenservice zum Plattformanbieter und stellt eine rasch wachsende Zahl von Gebäudeservices bereit, die auf der digitalen Plattform des Unternehmens mit ihrer sicheren offenen Schnittstelle (API) aufsetzen.
Damit die digitalen Services den Betreibern sozusagen auf Knopfdruck zur Verfügung stehen, kam im Januar 2020 die DX-Aufzugklasse auf den Markt. Damit sind neue Anlagen ab Werk in der Cloud. Das Unternehmen spricht von „integrierter Konnektivität“, die auch den digitalen Media-Spiegel (Bild) unterstützt. Ältere Aufzüge, auch Anlagen anderer Hersteller, lassen sich durch Nachrüstung einer kleinen Box problemlos mit der „Datenwolke“ verbinden.

Die Anbindung der Aufzüge an die digitale Plattform ermöglicht nicht nur die kontinuierliche Auswertung von Anlagendaten. Vielmehr können sich die Aufzüge durch Vernetzung in einer ganz neuen Weise mit dem Gebäude und seinen Nutzern verbinden. Dabei kommen viele Partner ins Spiel – und Angebote, die weit über die Themen Aufzug und Mobilität hinausgehen.

Prädiktive Wartung vermeidet Störungen
Die intelligente Analyse der Daten, die Aufzüge rund um die Uhr liefern, ist Grundlage für die vorausschauende (prädiktive) Wartung der Anlagen. Anomalien wie zunehmend längere Türschließzeiten werden vom System erkannt und vom Servicetechniker beseitigt, bevor es zu einem ungeplanten Ausfall des Aufzugs kommt. Stattdessen tauscht der Techniker die Türrollen bei der nächsten Regelwartung einfach aus. Möglich wird das durch die Künstliche Intelligenz „Watson“, die IBM bereitstellt. Seit knapp zwei Jahren in Deutschland im Einsatz, lernt Watson immer besser, die Daten zu deuten und Stillstandszeiten selbst gut gewarteter Anlagen noch einmal spürbar weiter zu reduzieren. Betreiber können das mit eigenen Augen sehen: Über das Web und ihre Zugangsdaten haben sie jederzeit Zugriff auf den Status ihrer Anlagen und die Statistik. 

Digitaler Aufzugwärter entlastet Betreiber
Die ausgefeilte Sensorik moderner ­Aufzüge ermöglicht noch mehr: Seit knapp einem halben Jahr bietet KONE als erster Anbieter überhaupt den „digitalen Aufzugswärter“ an. Er macht durch Fernüberwachung die bislang notwendigen Vor-Ort-Kontrollen der Aufzüge überflüssig.

Die sogenannte Inaugenscheinnahme ist eine wichtige, wenn auch lästige Aufgabe, zu der Anlagenbetreiber – hier also WEG und Hausverwaltungen – rechtlich verpflichtet sind. Denn die Vor-Ort-Kontrolle macht Arbeit: Betreiber müssen zuverlässige Personen finden, sie vom TÜV oder einer anderen Prüforganisation unterweisen lassen und den passenden Kontrollrhythmus für die Anlagen in Abstimmung mit dem Wartungsunternehmen festlegen. Man könnte ein solches Unternehmen auch gleich mit der Aufgabe betrauen, was viele Betreiber auch tun. Kosteneffizienter ist aber die Fernüberwachung.

Sicherer, komfortabler Gebäudezugang
Nicht nur Aufzüge können über die digitale Plattform angebunden werden, sondern auch Rolltreppen, Türen, Tore und Zugangskontroll- bzw. Vereinzelungsanlagen. Die Möglichkeiten, die durch die offene Schnittstelle der Cloud geschaffen werden, sind praktisch unbegrenzt. Ein Beispiel dafür ist KONE Residential Flow, die smarte Zutritts- und Informationslösung für Wohngebäude. Sie unterstützt die Hausverwalter, ist komfortabel und sicher für Mieter. Das Smartphone wird durch seine Bluetooth-Funktion und eine korrespondierende App zum digitalen Haustürschlüssel, der praktischerweise auch gleich den Aufzug ruft. Bei Verlust des Smartphones oder bei Wohnungswechsel kann die Hausverwaltung den digitalen Schlüssel einfach löschen. Zieht ein neuer Bewohner ins Haus, lässt sich sofort ein neuer Schlüssel digital ausgeben.

Flexible Lösungen
Residential Flow verbindet Haustür und Aufzug, nicht aber die Wohnungstür des Eigentümers oder Mieters. Das hat versicherungsrechtliche Gründe. Doch die Technik ist flexibel. So kann das Schließprotokoll des elektrischen Wohnungsschlosses auf den RFID-Schlüssel von KONE geschrieben werden – wie beim „Barmbeker Bogen“ in Hamburg. Der in Bau befindliche Komplex soll nach Fertigstellung im Jahr 2021 Einzelhandel und 80 Eigentumswohnungen beherbergen, die von sechs Aufzügen erschlossen werden. Dabei hätte die ungewöhnliche Wegeführung die Installation mehrerer Klingelbretter und damit vieler hundert Meter Kabel erforderlich gemacht. Mit Residential Flow kann dieser Aufwand vermieden werden.

Festlegen, wer ins Haus darf
Bewohner können „Kopien“ ihres digitalen Schlüssels nach Belieben an Familienmitglieder, Bekannte und Dienstleister vergeben – einmalig oder für einen bestimmten Zeitraum. Sie können die Schlüssel aber auch jederzeit wieder entziehen. Leben Bewohner ohne Smartphone im Haus, können sie auch einen mechanischen Schlüssel oder einen Schlüssel mit RFID-Transponder verwenden.

Sehen, was passiert
Ergänzen lässt sich die Zutrittslösung um die mobile Version einer Videogegensprechanlage. So können Bewohner auf ihrem Smartphone sehen, wer vor der Tür steht, mit dem Besucher sprechen und ihm den Zutritt zum Haus ermöglichen – oder verweigern. Das Smartphone dient auf Wunsch auch als digitales Schwarzes Brett, das Aushänge und Ankündigungen der Hausverwaltung anzeigt und um Infobildschirme in Fluren und im Aufzug ergänzt werden kann. Die Steuerung des Informationsflusses erfolgt zentral per Mausklick, ebenso wie die Aktualisierung des Bewohnerverzeichnisses auf dem Display am Eingang. Das gute alte Klingelschild könnte damit schon bald ausgedient haben. Und vielleicht sind es ja in wenigen Jahren schon keine Paketboten mehr, sondern kleine Roboter, die Päckchen und Pakete vor Wohnungstüren ablegen – so wie im EMC2-Hotel in Chicago. Dort bringen schon heute die Roboter Cleo und Leo für Hotelgäste Taschentücher und Zahnbürste von der Rezeption aufs Zimmer. Der Weg in die oberen Etagen ist für die beiden kein Problem: Sie fordern den Aufzug einfach an. Auch hier ist die digitale Plattform bereits im Einsatz.

Foto: KONE GmbH


Schlagworte:
Aufzugtechnik,Vernetzung,Cloud

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