Neue Chancen für die Energiewende - Wie digitale Messinfrastruktur den ökologischen Fußabdruck von Gebäuden verbessern kann.
23.08.2021 Ausgabe: 5/21

Auf Druck des Verfassungsgerichtes will die Bundesregierung die Klimaschutzvorgaben verschärfen und das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 verankern – ein wichtiger Anreiz auf dem Weg, die Energiewende zu beschleunigen. Vor allem in der Immobilienbranche: Ihr Anteil am Energieverbrauch in Deutschland beträgt circa 35 Prozent. Ein weiterer konsequenter und richtiger Schritt auf diesem Weg ist nach der Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes die dritte Stufe der Energiemarktliberalisierung: Mit dem für den Wettbewerb geöffneten Messstellenbetrieb im Strom- und Gasmarkt eröffnet sich die Möglichkeit, das Stammgeschäft des Submeterings mit dem des Strom- und Gas-Meterings zu verbinden. Daraus ergeben sich ganz neue Chancen für die Energiewende im Gebäudebereich, von denen auch die Wohnungswirtschaft profitiert.

Die gesetzlichen Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden steigen kontinuierlich. Erfüllt werden können sie nur, wenn die Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft intensiv vorangetrieben wird. Ein entscheidender Schritt dahin ist der Umstieg auf eine spartenübergreifende, voll digitalisierte Mess­infrastruktur. Werden die Felder Strom, Gas und Submetering dabei konsequent verbunden und zusammen gedacht, eröffnen sich neue Möglichkeiten für smarte und ganzheitliche Komplettlösungen in der Immobilienbranche. Im Fokus dabei steht insbesondere die Energieeffizienz und Dekarbonisierung, darüber hi­naus aber auch die Nebenkostenabrechnungen nach Heizkostenverordnung (HKVO), Datentransparenz und Verbrauchsvisualisierung.

Mehr Effizienz durch spartenübergreifende Verbrauchserfassung
Mit der spartenübergreifenden Erfassung gelingt es erstmals, alle energierelevanten Daten eines Gebäudes in einer Hand zu bündeln. Auf dieser Basis können neue Erkenntnisse in Bezug auf Energieeffizienz, Energieeinsparung und CO2-Minderung im Gebäudebereich gewonnen werden. Daraus lassen sich beispielsweise Vorschläge für eine effizientere Auslegung und den optimierten Betrieb der Heizungsanlage ableiten. Immobilienbesitzer und -verwaltungen erhalten zudem passgenaue Empfehlungen für Neuinvestitionen, die das Nutzerverhalten der Bewohner sowie Potenziale für den Einsatz solarthermischer Anlagen und von Photovoltaik mitberücksichtigen. Konkrete Wirtschaftlichkeitsberechnungen sowie Investitions- und Umsetzungsangebote können direkt mitgeliefert werden. Damit wird der ganzheitliche Messstellenbetrieb zum Wegbereiter für digital gestützte Energieeffizienz und Dekarbonisierung in Gebäuden und Quartieren – sowohl im Wohn- als auch im Gewerbebereich.

Aber auch die Bewohner profitieren ganz praktisch von der gebündelten Erfassung ihres Energieverbrauchs. Auf Basis der Verbrauchsdaten, die durch Smart Metering und den Einsatz von OMS-4-fähigen Erfassungsgeräten auch unterjährig jederzeit einsehbar sind, erhalten sie einen regelmäßigen Einblick in ihr Nutzungsverhalten. Damit lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wie sich das eigene Verhalten auf die Wärmekosten auswirkt, sodass die Energienutzung kurzfristig angepasst und Geld gespart werden kann. Diese Verbrauchstransparenz ermöglicht es Bewohnern, sich aktiv am Klimaschutz zu beteiligen, und schützt sie vor bösen Überraschungen in der Nebenkostenabrechnung. Denn nur wer seinen Energieverbrauch kennt, kann ihn gezielt beeinflussen.

Die Kooperation aller Akteure ist unumgänglich
Um die bestehende Infrastruktur am Markt durch eine neue, digitale zu ersetzen und die Digitalisierung im notwendigen Tempo voranzutreiben, ist es unumgänglich, dass die relevanten Akteure zusammenarbeiten. Denn bei der Umstellung müssen anspruchsvolle, regulatorische Vorgaben in Bezug auf Datensicherheit und -austausch umgesetzt werden. Gleichzeitig sollen die Kosten für Immobilienbesitzer und Verbraucher so gering wie möglich gehalten werden. Das kann nur gelingen, wenn die aufzubauende Infrastruktur mit hohen Stückzahlen und Datenvolumina ausgelastet wird. Dabei sind nicht nur IT-Prozesse zu berücksichtigen, sondern auch die gesamte Steuerung der Monteure und Techniker sowie auch die Logistik der Hardware inklusive der sicheren Lieferkette. 

Die dafür notwendige „Masse“ und das Know-how bringt Techem als einer der führenden Serviceanbieter für smarte und nachhaltige Gebäude in die Branche mit ein – basierend auf der Erfahrung in der Betreuung von rund sechs Millionen Wohnungen allein in Deutschland und auf einem schon heute weitgehend digitalen Geschäftsmodell. Dabei spricht das Unternehmen ein explizites Kooperationsangebot an Stadtwerke und Netzbetreiber in ihrer Funktion als grundzuständiger und wettbewerblicher Messstellenbetreiber aus. Denn viele Akteure in diesem Feld werden die Umstellung aufgrund ihrer Größe allein nicht schaffen. Durch die Zusammenarbeit bietet sich die Chance, wirtschaftlich erfolgreicher zu sein. Im Rahmen des Kooperationsansatzes öffnet Techem beispielsweise das Servicenetzwerk aus Handwerkern und Technikern sowie die digitale Infrastruktur zur Datenverarbeitung und Abrechnung.

Wertsteigerung durch digitale Infrastruktur
Wie aber geht es weiter, nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster zum Smart-Meter-Rollout? Diese Frage stellt sich der gesamte Markt, die grundzuständigen und wettbewerblichen Messstellenbetreiber wie Techem, Hardware-Hersteller, Software-Dienstleister, Kunden und wahrscheinlich auch Berater. An der Umstellung auf Smart-Meter-Gateways führt kein Weg vorbei – nicht nur, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen diese Richtung mittelfristig vorgeben, sondern auch wegen der unbestreitbaren Potenziale und Zukunftsfähigkeit dieser Technologie. Durch die Digitalisierung des Gebäudes wird die Effizienz aller Prozesse erhöht, die mit der Vermietung einhergehen. Über Zusatzangebote wie Disaggregation von Daten, Sicherheits-Service zur Überwachung der Wohnungen aus der Ferne, Einsatz erneuerbarer Energien, Mieterstrom oder Lademöglichkeiten für E-Autos kann zudem der Wohnwert für Mieter erhöht und so letztlich der Wert einer Immobilie gesteigert werden. Das sind entscheidende Argumente für die spartenübergreifende Verbrauchserfassung neben der Tatsache, dass sich mit digitaler Infrastruktur der ökologische Fußabdruck jedes einzelnen Gebäudes reduzieren lässt. Die ganzheitliche Betrachtung aller Komponenten des Systems – Wärme, Elektrizität, Mobilität – ist der richtige Weg, um die bisher zu kurz gekommene Energiewende in Immobilien und kompletten Quartieren zu meistern.

Foto: © Syda Productions/ Shutterstock.com


Schlagworte:
Verbrauchserfassung,Energieeffizienz,Datentransparenz

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