Möglichkeiten nutzen: Ein so umfassendes Förderprogramm zur energetischen Ertüchtigung von Bestandsimmobilien gab es wohl noch nie.
23.08.2021 Ausgabe: 5/21

Der Druck steigt: Die Selbstverpflichtung der Bundesrepublik, spätestens bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden – die das jüngste Klimagesetz und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts noch bekräftigen –, drängt zu energetischen Sanierungen. Die sich aus der Bundestagswahl im September voraussichtlich ergebende politische Konstellation wird ihr Übriges tun.

Die gute Nachricht: Schon Anfang des Jahres hat die Bundesregierung mit der neuen „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) deutlich bessere Voraussetzungen für die Finanzierung energetischer Sanierungen von Immobilien geschaffen. Die staatliche Förderbank KfW und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden beauftragt, Fördermittel an die Antragsteller durchzuleiten.

Immobilienverwaltungen, die energetische Sanierungen planen, sollten diese Mittel stets einsetzen. Auch wenn sie mit dem Erreichen bestimmter Effizienzstandards gekoppelt sind, lohnt es sich: Jahr für Jahr steigende Energiekosten durch bereits beschlossene gesetzliche Regelungen und die bessere Vermietbarkeit eines energetisch hochwertigen Wohnungsbestandes sind hierfür gute Argumente.

Wie Verwaltungen am besten vorgehen
Um sich einen ersten Überblick zu verschaffen, welche Energieeffizienzmaßnahmen für eine Immobilie sinnvoll sind, bietet sich der kostenlose Basis-Check durch die Energieexperten der örtlichen Verbraucherzentralen an, der im Einzelfall eine Vollmacht der Wohnungseigentümer erfordert. Die Terminvereinbarung erfolgt telefonisch: 0800 809809400. Weitere Informationen auf der Internetseite der Verbraucherzentralen: https://t1p.de/fir4

Den Energieberater miteinbeziehen
Wurden energetische Maßnahmen als sinnvoll identifiziert oder stehen beispielsweise ein Heizungs- oder Fenstertausch an, sollten Verwaltungen sich an einen Energieberater wenden. Er kann prüfen, welche Einzelmaßnahmen, etwa Fenster- oder Heizungstausch, tatsächlich umgesetzt werden sollten oder ob vielleicht sogar ein guter Effizienzstandard für das ganze Haus erreicht werden kann. Damit verbessert sich die Förderung deutlich, und es muss später nicht erneut saniert werden.

Einen qualifizierten Energieberater (Handwerker, Architekten, Ingenieure) in der Nähe findet man auf der Internetseite der Deutschen Energie-Agentur (dena): https://t1p.de/xe4c

Die Einbindung eines bei der dena gelisteten Energieberaters ist Voraussetzung für die Förderung von Einzelmaßnahmen wie auch solcher zur Erreichung eines Effizienzhausstandards. 50 Prozent der Kosten dieser Berater bezuschusst das BAFA oder die KfW.

Folgende Einzelmaßnahmen werden über das BAFA mit Zuschüssen gefördert.

1. Maßnahmen an der Gebäudehülle, z. B. Dämmung oder Fensteraustausch, werden mit einem Zuschuss in Höhe von 20 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst.

2. Anlagen zur Wärmeerzeugung (Heizung), z. B. Solarthermie, Biomasse, Wärmepumpen, Gashybridheizungen, werden mit 30 bis 35 Prozent bezuschusst, bei zusätzlichem Austausch einer Ölheizung sogar mit bis zu 45 Prozent der Kosten.

3. Anlagentechnik (außer Heizung), z. B. Wärmerückgewinnung, Smart Home/Mess- und Regeltechnik, werden mit 20 Prozent der Kosten bezuschusst.

4. Heizungsoptimierung, z. B. Optimierung des Heizungsverteilungssystems mit hydraulischem Abgleich, wird mit 20 Prozent der Kosten bezuschusst.

Bei den Maßnahmen 2 und 4 muss kein Energieberater beauftragt werden, ein Fachunternehmen reicht aus.

Alternativ kann eine Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) auch einen zinsgünstigen Kredit bei der KfW aufnehmen. Hier gibt es zusätzlich einen sogenannten Tilgungszuschuss, sodass deutlich weniger als die Kreditsumme zurückzuzahlen ist. Bei einem Kreditbetrag von 60.000 Euro – das ist bei KfW und BAFA die Höchstgrenze für Einzelmaßnahmen pro Wohneinheit und Jahr – kann im Falle des Austauschs einer alten Ölheizung 50 Prozent Förderung, also ein Tilgungszuschuss von bis zu 30.000 Euro bewilligt werden. Für die Ausmusterung einer Ölheizung gleich welchen Alters steigt der Fördersatz um zehn Prozent.

Oft ist es sinnvoll, auch mehrere Maßnahmen nacheinander umzusetzen, um eine bessere Förderung zu erhalten. Reicht der Energieberater im Auftrag der WEG beim BAFA einen bestätigten und förderfähigen sogenannten individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) ein, aus dem hervorgeht, welche Maßnahmen künftig umgesetzt werden sollen, gibt es pro Maßnahme fünf Prozentpunkte mehr Förderung, die auch dann nicht rückzahlbar ist, wenn nicht alle geplanten Maßnahmen umgesetzt werden. Wird durch die Umsetzung einer zweiten Maßnahme später sogar ein Effizienzhausstandard erreicht, berechtigt dies tatsächlich zusätzlich zur vollen Förderung für ein Effizienzhaus.

Ein Effizienzhaus, das durch die optimale Kombination verschiedener Maßnahmen einen hohen Energieeffizienzstandard hat, wird im Rahmen der neuen BEG Förderung seit 1. Juli 2021 von der KfW mit einem Zuschuss oder mit zinsgünstigen Krediten und zusätzlichem Tilgungszuschuss unterstützt.

Annuitätendarlehen
Für ein Annuitätendarlehen sind während der tilgungsfreien Anlaufzeit nur Zinsen und danach gleich hohe monatliche Annuitäten (Zins und Tilgung) zu zahlen. Der Tilgungszuschuss führt zu einem negativen effektiven Zinssatz. Er reduziert das Darlehen und verkürzt die Laufzeit. Es muss also nicht der gesamte Betrag zurückgezahlt werden. Je besser der Effizienzhausstandard einer Immobilie nach Sanierung, desto höher der Tilgungszuschuss. Er wird nach erfolgreichem Abschluss des Vorhabens gutgeschrieben. Eine Barauszahlung oder Überweisung ist nicht möglich. Beim Erreichen des Energieeffizienzniveaus 100, was etwa dem Referenzgebäude (Standardhaus) des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) entspricht, kann bereits ein Zuschuss von 27,5 Prozent der Gesamtkosten aller Maßnahmen von maximal 120.000 Euro, also 33.000 Euro bezogen werden.

Wird Effizienzhausstandard 40 erreicht und haben regenerative Energien einen Anteil von 55 Prozent an der Wärmeversorgung – Erneuerbare-Energien-Klasse –, beträgt die Förderung 50 Prozent der maximalen Kosten von 150.000 Euro pro Wohneinheit, durch einen Tilgungszuschuss von bis zu 75.000 Euro.


Praxistipp

Auch die neue Förderung sieht vor, dass die Kosten des Mehraufwands von Verwaltungen, die förderfähige Maßnahmen begleiten, etwa indem sie Fördermittel beantragen, ebenfalls förderfähig sind. Diese Kosten sind der WEG gesondert in Rechnung zu stellen.

Foto: © Lisa S. / Shutterstock.com


Schlagworte:
Sanierung,Energieeffizient,Bundesförderung

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