Mit Abstand zum Abschluss - Immobilienvermarktung in Zeiten der Pandemie
22.07.2020 Ausgabe: 4/20

Es wird uns wohl noch eine ganze Weile begleiten, das Virus, das nicht nur unser Privatleben drastisch verändert, sondern auch den beruflichen Alltag. In jeder Krise aber steckt auch eine Chance. Einer aktuellen Umfrage von ImmoScout24 zufolge können über die Hälfte aller gewerblichen Immobilienanbieter der aktuellen Situation auch positive Aspekte abgewinnen. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln werden digitale Lösungen nicht nur gesucht, sie kommen bereits verstärkt zum Einsatz. Das treibt die Digitalisierung merklich und sicherlich auch nachhaltig voran und könnte sich als Chance erweisen – nicht nur für professionelle Immobilienvermarkter, sondern auch für Verwaltungen, die sich mit der Vermietung und dem Verkauf von Objekten befassen.

Auch Kundenerwartungen ändern sich
Die ohnehin nicht gerade beliebten Massenbesichtigungen von Wohnungen und Häusern wird es auf absehbare Zeit wohl nicht mehr geben. Kauf- und Mietinteressenten erwarten Einzelbesichtigungen und verstärkt digitale Angebote. Das ist auch ein zentrales Ergebnis einer Umfrage, die das Start-up Civey in der ersten Aprilwoche durchgeführt hat. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, dass für sie „ausschließlich Einzelbesichtigungen“ in Betracht kämen. Digitale Angebote wie etwa 3D-Rundgänge wünschen sich 36,6 Prozent, mehr Online-Kommunikation 35,7 Prozent der Interviewten. Telefonische Beratungen favorisieren 24,1 Prozent der Umfrageteilnehmer.
Was tun, um Leerstand zu vermeiden? Der Deutsche Mieterbund rät, Wohnungsbesichtigungen grundsätzlich auf die Zeit nach der Pandemie zu verschieben. Bis es irgendwann endlich so weit ist, bedient man sich besser der bereits vielfältig angebotenen digitalen Hilfsmittel und Dienstleistungen. Zahlreiche Anbieter haben schnell reagiert und ihre Leistungen der aktuellen Situation angepasst, allen voran natürlich die großen Immobilienportale.

Trend zu virtuellen Rundgängen
Wer bei der Objektvermittlung möglichst kontaktfrei bleiben möchte und auch demnächst ausziehenden Wohnungsnutzern den Hausbesuch ersparen möchte, sollte auf eine möglichst detaillierte Darstellung der zu vermittelnden Objekte setzen. Auf diese Weise lässt sich die Zahl der Interessenten bereits im Vorfeld qualifiziert begrenzen. Derzeit auf dem Vormarsch sind zum einen digitale Live-Besichtigungen. Sie ersetzen zwar die Wohnungsbegehung nicht, aber es reicht, wenn eine Person sie durchführt und den Rundgang per WhatsApp oder FaceTime für zugeschaltete Interessenten erlebbar macht.

Zum anderen bieten sich 360°-Besichtigungen an, die wie das Exposé mit dem Online-Inserat hinterlegt werden und virtuell einen realistischen Eindruck von einem Objekt vermitteln, ohne dass Interessenten dafür das Haus verlassen müssen. Laut der schon zitierten ImmoScout24-Umfrage ist dies bereits für 60 Prozent der Deutschen eine gute Alternative zur Besichtigung vor Ort. Per Live-Video lassen sich bereits mehr als 16 000 inserierte Objekte auf ImmoScout24 besichtigen, und Anbieter können diese Möglichkeit seit Ende März dort auch kostenlos hervorheben. Insgesamt erzielten sie damit 40 Prozent mehr Kontaktanfragen als bei konventionellen Inseraten.

So wird die Präsentation perfekt
Ein Anbieter, der aus aktuellem Anlass auf virtuelle Besichtigungen setzt, zudem aber auch die Reichweite der großen Immobilienportale nutzt, ist ohne-makler.net. Hauptdienstleistung ist die Veröffentlichung provisionsfreier Immobilienanzeigen auf allen großen Internetportalen als sogenannte Reichweiteninserate. Virtuelle Rundgänge bietet Betreiber evers-internet GmbH & Co. KG in verschiedenen Qualitätsstufen an: als selbst gemachtes Handyvideo, mit computergenerierten Fotos und sogar mit einer der besten 360°-Kameras, die bei Bedarf ausgeliehen werden kann. Mithilfe der eigenen VR-Software können Kunden die Touren selbst erstellen, ohne-makler.net bietet aber auch den Komplett-Service an: Erstellung der Tour mit fundierter Beratung. Derzeit wurden die Preise für diese Dienste gesenkt, damit mehr Kundenkontakte vermieden werden können. „Aktuell testen wir noch eine weitere Funktion“, so Geschäftsführer Hendrik Richter, „die Live-Besichtigung. Als hochauflösender virtueller Rundgang ermöglicht sie es, den Blick des Interessenten zu steuern und so gezielt Informationen über ein Objekt zu vermitteln.“

Kontaktlos bis zum Mietvertrag?
Lässt sich mittlerweile also tatsächlich der gesamte Vermarktungsprozess einer Immobilie komplett digital und – wichtig ist dies nur in der aktuellen Situation – ohne persönliche Kontakte abbilden? Ja, denn den letzten weißen Fleck auf dem Gebiet der digitalisierten Vermietung hat die Immomio GmbH erschlossen, die Unterzeichnung des Mietvertrags durch eine elektronische Signatur, die einen innovativen und rechtssicheren Identifizierungsprozess nutzt.

Foto & Illustration: © BravissimoS / Shutterstock.com


Schlagworte:
Objektvermittlung,Mietverwaltung,Kontaktbeschränkung

zurück zur Übersicht