Auf dem Prüfstand - Was macht die Digitalisierung mit bestehenden Unternehmensstrukturen? Die Beschäftigten rücken in den Fokus – und damit das Employer Branding!
12.01.2021 Ausgabe: 8/20

Digitalisierung, Fachkräftemangel und Wettbewerbsfähigkeit sind die aktuellen Herausforderungen der Immobilienwirtschaft – bestehende Strukturen befinden sich auf dem Prüfstand. Unternehmen suchen nach flexiblen Lösungen, die Arbeitnehmerzufriedenheit rückt weiter in den Fokus, und das Thema New Work fordert Konzepte, die Digitalisierung und Work-Life-Balance in Einklang bringen.

Die Innovation der Immobilienwirtschaft steht zwar noch am Anfang ihrer prognostizierten Entwicklung, dennoch entdecken Unternehmen die Vorteile digitaler Arbeitsprozesse und Technologien – mit Auswirkungen für jeden einzelnen Mitarbeiter. Die damit einhergehende neue Art der Wettbewerbsfähigkeit ist nicht zu unterschätzen. Auch für die KRASEMANN Immobilien Gruppe war es notwendig, Neustrukturierungen in diesen Bereichen vorzunehmen. Das bundesweit tätige Unternehmen ist eine 1978 gegründete familiengeführte Immobilienholding mit derzeit mehr als 100 Beschäftigten an den Standorten Hannover, Berlin, Chemnitz und Meppen sowie einem Verwaltungsbestand von circa 700 Mio. Euro.

Mit der Digitalisierung wurden nicht nur Arbeitsprozesse beschleunigt, sie gehen einher mit grundlegendem Umdenken: vom papierlosen Büro über digitale Wiedervorlagen bis zu virtuellen Kommunikationslösungen. Rechtlich und technisch immer komplexere Regelwerke, etwa zu Brandschutz, Aufzügen, Rauchmeldern, Mikrozensus und Trinkwasserhygiene, und ein in den vergangenen Jahren stetig gewachsenes Aufgabenspektrum prägen den Beruf des Immobilien­verwalters.

Arbeitnehmer als ­Erfolgsfaktor
In einer innovativen, von Wettbewerb geprägten Immobilienwirtschaft, die durch die Möglichkeiten der Digitalisierung noch weiter vorankommen muss, wachsen vor allem Unternehmen, die sich von Mitbewerbern abgrenzen. Dies tun sie auch durch die Fähigkeit, wichtige Entscheidungen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern zu treffen. Genutzt werden Wissen, Erfahrung und die Kreativität des gesamten Teams. Mitarbeiter sollen aktiv in Geschäftsprozesse einbezogen werden und an deren Gestaltung mitwirken. Genau das sind die in unserem Haus entwickelten Erfolgsfaktoren, die zur Motivation aller Mitarbeiter sowie zur Mitarbeiterbindung beitragen. Nicht nur aus unternehmerischer Sicht ist es sinnvoll, Handlungsspielräume zu schaffen, Entscheidungen auf kurzem Wege zu treffen und transparente Prozesse zu definieren, sondern es ist auch ein Ausdruck von Wertschätzung.

Unter dem Leitsatz „Allein bin ich Profi, zusammen sind wir KRASEMANN“ entwickelten die Mitarbeiter nach intensiven und offenen Workshops einen Werte- und Maßnahmenkatalog, um die neu gesteckten Ziele zu erreichen. Auslöser für die Fokussierung auf die Entwicklung einer Arbeitgebermarke mit gelebten Werten war vor allem der hohe Fluktuationsgrad zu Beginn des Change-Prozesses und im Zuge des damit verbundenen rasanten Wachstums der Unternehmensgruppe. Sorgte vor allem der Umbau der Büroräume im laufenden Betrieb für Frustration bei der Belegschaft, haben sich die Strapazen ständigen Baulärms und häufiger Arbeitsplatzwechsel für den Aufbau einer neuen Unternehmenskultur gelohnt: Die offene Kommunikation zahlt sich aus, denn die Mitarbeiter sind zufrieden und motiviert.

Neue Arbeitsmodelle fördern die Kooperation.
Gebracht hat dieser Prozess unter anderem die gemeinsam definierten Werte und Aktivitäten: Teamgeist, Vertrauen, Mitsprache, Familienfreundlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung. Neben gemeinsamen Events bietet das Unternehmen auch die Nutzung eines hauseigenen Sportstudios und moderner E-Bikes sowie regelmäßige Gesundheitsberatungen. Auch Coachings zur Persönlichkeitsentwicklung und andere Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise die Qualifizierung zum Immobilienfachwirt IHK, werden angeboten. Zudem wird großer Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gelegt.

Die aktive Partizipation der Mitarbeiter soll ein Managementsystem zur gezielten Mitarbeiterführung sicherstellen: KRASEMANN hat sich hier ganz bewusst für Objectives and Key Results (OKR) entschieden, eine Methode, die die übergeordneten Unternehmensziele mit den Zielen jedes einzelnen Mitarbeiters vereint. Sie erlaubt es, Mitarbeitern nicht von oben herab Zielsetzungen vorzugeben, sondern ihnen stattdessen die übergeordnete Unternehmensstrategie an die Hand zu geben. In diesem Rahmen können sie aktiv mitgestalten, um die Strategie gemeinsam umzusetzen. Alle Mitarbeiter stimmen ihre Ziele regelmäßig miteinander ab. Sie besprechen, was geleistet wurde und was sie im nächsten Quartal erreichen möchten. Ob Geschäftsführung oder Mitarbeiter – alle haben den Überblick, was erreicht wurde. Einen weiteren Schritt in Richtung eines innovativen, digitalen Immobilienunternehmens stellt die Einführung der interaktiven und sozialen Mitarbeiter-App dar, die rund um das Unternehmen informiert.

Neben der Fokussierung auf die Mitarbeiter erfordert das neue Arbeitsmodell ein Umdenken der Geschäftsführung. Innovative, dem aktuellen Wandel entsprechende Führungsmethoden lassen mehr Freiraum für Mitarbeiter zu und ermöglichen zugleich ihre gezielte Kooperation. Was Unternehmen heute erfolgreich macht, ist der Mut, das traditionelle und über viele Jahre bewährte Konzept zu verwerfen und neue Wege zu gehen: Bildete früher die Führung den Kern der Arbeit, ist es heute das gesamte Unternehmen. Es stellt den kreativen und sich selbst organisierenden Rahmen dar, der die kooperativen Prozesse zusammenhält. Die strategische Ausrichtung auf eine authentische Unternehmenskultur, in der die Wertschätzung der eigenen Mitarbeiter und der Fokus auf die voranschreitende Digitalisierung im Vordergrund stehen, werden hier als Erfolg versprechende Faktoren moderner Unternehmensführung betrachtet.

Foto: © ElRoi / Shutterstock.com


Schlagworte:
Mitarbeiterbindung,Unternehmenskultur,Mitarbeiterführung

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